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Kinder spielen weniger draußen als früher. Halten wir sie zu viel drinnen?

Bei diesem ungemütlichen Wetter ist die Versuchung groß, mit den Kindern drinnen einen Legoturm zu bauen und – na gut – auch einen Film zu schauen.

Aber richtest du damit nicht mehr Schaden als Nutzen an? Drei von zehn Kindern spielen nie oder nur einmal pro Woche draußen, so eine Umfrage des Forschungsinstituts Kantar im Auftrag der niederländischen Kinderorganisation Jantje Beton. Nur 14 Prozent der Kinder zwischen 6 und 12 Jahren spielen jeden Tag draußen; vor fünf Jahren waren es noch 20 Prozent. Halten wir unsere Kinder zu viel drinnen? Und sind Frost und Regen nicht einfach eine faule Ausrede?

Was sagen die Fachleute?

Draußenspielen ist gut für die kognitive, körperliche und emotionale Entwicklung eines Kindes. Forscher der Universitäten Leiden und Lissabon beobachteten Kinder auf dem Schulhof und sahen, dass Kinder, die frei spielen dürfen, besser darin sind, Konflikte zu lösen und Gefühle bei ihren Spielkameraden zu erkennen. ‚Sie werden sozialer‘, sagt die Heilpädagogin Louise Berkhout.

Aber gerade das freie Spielen an der frischen Luft gerät ins Hintertreffen, meint Berkhout. ‚Wir lassen Kinder nicht mehr einfach machen. Eltern und Lehrkräfte haben Angst, dass ihnen etwas passiert.‘ Für ihre Doktorarbeit an der Universität Groningen beobachtete Berkhout 47 Kindergartengruppen an zwanzig Schulen beim Spielen. Videoaufnahmen zeigen, dass Kinder oft erst nach zwanzig Minuten richtig in ihr Spiel vertieft sind. ‚Gibt man ihnen zehn Minuten oder steht man ständig daneben, entsteht selten echtes Spiel.‘

Noch besser als ein klassischer Spielplatz ist der Wald oder eine Brachfläche in der Stadt. ‚Wenn sie Äste schleppen oder selbst etwas bauen, erkunden sie ihre körperlichen Möglichkeiten. Das sind sinnliche, körperliche Erfahrungen, die man drinnen nicht von einer App lernt.‘

Warum spielen Kinder eigentlich so wenig draußen? Es ist leicht, den Fernseh- oder Tabletbildschirm als Übeltäter zu sehen. Laut Fachleuten liegt das Problem aber in der Haltung der Eltern. ‚Es beginnt damit zu erkennen, wie wichtig es ist, nach draußen zu gehen‘, sagt die Pädagogin Annet Weterings, Autorin eines niederländischen Buches über Naturerlebnisse in der Kinderbetreuung, Horen en zien, ruiken, voelen, proeven. ‚Stubenhocker? Die gibt es nicht. Das Verhalten von Mama und Papa gilt als Vorbild. Wenn du also sagst: Bäh, Regen, dann übernimmt dein Kind das. Und kleine Kinder sind natürlich auf ihre Eltern angewiesen, die müssen sich Zeit nehmen.‘

Wie viel Zeit denn? Die niederländische Bewegungsrichtlinie für Menschen unter 18 Jahren liegt bei mindestens einer Stunde pro Tag. 80 Prozent der Kinder erreichen diesen Wert nicht. Caroline Klaver, Professorin für Augenheilkunde am Erasmus Medisch Centrum in Rotterdam, empfahl in der Zeitung NRC Handelsblad, täglich zwei Stunden draußen zu spielen, um die Augen der Kinder zu schonen. Kurzsichtigkeit nimmt stark zu, weil Kinder so viel auf Bildschirme schauen, dass zu wenig Abwechslung mit dem Blick in die Ferne entsteht.

Wie geht es also besser?

‚Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung‘, sagt Annet Weterings. Mit einem guten Schneeanzug, Regenkleidung und Gummistiefeln kann ein Kind eigentlich immer nach draußen. Eltern finden das manchmal schade oder denken, ihr Nachwuchs wird krank. ‚Ganz im Gegenteil. Wer viel draußen ist, baut eine bessere Abwehr auf‘, sagt Weterings. In vielen skandinavischen Kitas schlafen die Kinder sogar draußen in speziellen Unterständen, und auch in niederländischen Kitas wird das genutzt.

Natürlich braucht es etwas Überzeugungskraft, damit sich ein Kind für Kälte oder Regen begeistert. ‚Wir gehen spazieren‘ macht sie nicht sofort glücklich. ‚Mach es spannend. Schlag eine Schnitzeljagd vor oder geht Tiere suchen‘, sagt Weterings. ‚Nehmt eine Lupe und eine Plastiktüte mit, um Steine und Kastanien zu sammeln.‘

Gut möglich, dass Mütter und Väter merken, dass rausgehen doch gar nicht so viel Aufwand ist. Ja, die kleinen Gliedmaßen in Schuhe und Handschuhe zu stopfen, kostet etwas Mühe, aber einmal an der frischen Luft hast du mit deinem Kind keine Arbeit mehr. Die Unterhaltung liegt kostenlos auf der Straße. Und du kannst dich selbst auch mal zurücklehnen.

Quelle: De Volkskrant

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