Vier von zehn Eltern von Kindern, die Fortnite spielen, machen sich Sorgen über das Suchtpotenzial des enorm beliebten Spiels. Das zeigt eine Umfrage der niederländischen TV-Nachrichten RTL Nieuws. „Das süchtig machende Spiel sorgt für viel Streit in Familien.“
Das kostenlose Spiel Fortnite ist ein Hype an Grund- und weiterführenden Schulen. Das Spiel hat 200 Millionen registrierte Nutzer und wurde am 25. Juli 2017 von Epic Games veröffentlicht.
Eine Studie von DVJ Insights im Auftrag von RTL Nieuws zeigt, dass sich 40 Prozent der Eltern von Kindern, die das Spiel spielen, Sorgen über dessen Suchtpotenzial machen.
7 Stunden pro Woche
In den befragten Familien spielen 65 Prozent der Kinder das Spiel. Im Durchschnitt spielen sie 7 Stunden pro Woche.
73 Prozent der Eltern haben für ihre Kinder Regeln zum Fortnite-Spielen aufgestellt.
Endlos
Fortnite lässt sich auf allen möglichen Geräten spielen und ist endlos. Das Spiel macht sehr süchtig, weiß Jugendärztin Jeanne-Marie Hament. „In meiner Sprechstunde sehe ich viele Eltern, die zu Hause täglich mit ihren Kindern um dieses Spiel kämpfen.“
Laut der Jugendärztin ist das Spiel sehr clever aufgebaut. „Kinder werden richtig in das Spiel hineingezogen. Fortnite ist sehr gut und clever gemacht. Eltern wird es nicht leicht gemacht, sie aus dem Spiel herauszuholen.“
Bezahlen für Extras
Auch wenn Fortnite in der Anschaffung kein Geld kostet, können Gamer gegen Bezahlung verschiedene Extras kaufen, die sie im Spiel verwenden können. Der Hersteller verdient unter anderem am Verkauf sogenannter V-Bucks und Battle Passes, die zu Beginn jeder neuen Saison erscheinen.
Die Umfrage von RTL Nieuws zeigt, dass fast die Hälfte (45 Prozent) aller Kinder Käufe tätigt. 61 Prozent geben weniger als 10 Euro pro Monat aus.
Nicht gut filtern
Problematisches Spielverhalten kommt laut den aktuellsten Zahlen bei 3 Prozent der niederländischen Grundschulkinder und bei 4 Prozent der Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen vor. Die Entwicklung ist ziemlich besorgniserregend: „Die Zahl der süchtigen Gamer wächst und sie werden immer jünger“, sagt Jugendärztin Jeanne-Marie Hament.
Laut ihr können die Auswirkungen auf den Alltag groß sein. „Kinder können zum Beispiel aggressiv werden, wenn sie nicht spielen dürfen. Die Hausaufgaben leiden darunter, und im schlimmsten Fall schwänzen Kinder die Schule, um zu spielen.“
Bei Fortnite macht sie sich vor allem Sorgen, weil das Spiel so süchtig macht. „Bei Lego weißt du als Elternteil: Mein Kind findet es irgendwann langweilig und hat genug davon. Bei Fortnite ist es eigentlich nie vorbei. Man kann immer besser werden. Man bekommt nie genug davon. Es wird nie langweilig. Das macht es Eltern nicht leicht.“
Mutter Lisette van der Kuy kann davon ein Lied singen. Auch ihre Kinder waren kaum von ihren Computern wegzubekommen, was täglich für viel Streit sorgte. Davon hatte sie genug, und so erfand sie selbst ein System: Zeitkarten (Mytimingcards).
„Die Karten geben Kindern auf spielerische Weise sehr viel Klarheit und Kontrolle. Ich habe Karten mit 15, 30 und 60 Minuten“, erzählt Lisette.
Schön und praktisch
„Die Karten haben verschiedene Symbole: Smartphone, Tablet oder Computer. Dazu gibt es einen Vertrag, und den finden Kinder toll, weil sie ihn unterschreiben dürfen. Es funktioniert!“
Fortnite-Sucht deines Kindes bekämpfen? Lisette hat einen Trick erfunden
Möchtest du als Elternteil, dass das Spielen deines Sohnes oder deiner Tochter im Rahmen bleibt? Vielleicht helfen dir diese Tipps.
Eine Bremse für solche Spiele
Laut den Fachleuten tun Eltern gut daran, klare Absprachen mit ihrem Kind zu treffen. „Und belohne dein Kind, wenn es sich daran hält. Beschäftige dich auch mit dem Spiel. Dann weißt du auch, wovon du redest“, sagt Jugendärztin Hament.
Außerdem wäre es laut ihr gut, wenn es mehr Regulierung gäbe. „Indem man ein Gremium bildet, zum Beispiel aus Eltern, Jugendärzten, Psychologen und Politikern. Sie sollten sich gemeinsam mit der Frage beschäftigen: Was finden wir gesund? Und was ist dafür nötig?“
RTL Nieuws hat die Macher von Fortnite um eine Stellungnahme gebeten, aber keine erhalten.
Eltern über das Spiel Fortnite
In 79 % aller Haushalte in den Niederlanden mit Kindern unter 18 Jahren werden Spiele gespielt. In diesen Haushalten spielen 65 % Fortnite.
25 % der Kinder, die Fortnite spielen, sind Mädchen und 75 % Jungen.
Sie spielen im Durchschnitt 7 Stunden pro Woche Fortnite.
73 % der Eltern haben für ihre Kinder Regeln zum Fortnite-Spielen aufgestellt.
82 % haben Regeln zu Käufen in Fortnite aufgestellt.
84 % der Eltern geben an, dafür in Fortnite ihre Zustimmung geben zu müssen. Insgesamt tätigt fast die Hälfte (45 %) aller Kinder, die Fortnite spielen, Käufe im Spiel. 61 % geben weniger als 10 Euro pro Monat aus.
Nur 20 % aller Eltern machen sich Sorgen über das Geld, das ihre Kinder für Fortnite ausgeben. 50 % machen sich keine oder wenig Sorgen.
Bei der Zeit, die Kinder damit verbringen, sind die Eltern sehr gespalten: 38 % machen sich (etwas) Sorgen, 33 % sind neutral und 31 % machen sich keine oder wenig Sorgen.
Die Umfrage wurde von DVJ Insights im Auftrag von RTL Nieuws durchgeführt.
Quelle: RTL Nieuws
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