Eine amerikanische Studie legt nahe, dass 95 Prozent der Apps für Kinder unter fünf Jahren irreführende Werbung enthalten.
Kinder werden zu Käufen manipuliert, ohne es zu merken. Laut Justine Pardoen, Expertin für Medienerziehung beim niederländischen Bureau Jeugd & Media und Chefredakteurin von mediaopvoeding.nl, ist das unethisch. „Es nutzt die Entwicklungsphase aus, in der sich diese Kinder befinden.“
Die Forscher untersuchten die 135 beliebtesten Spiele für Kinder unter fünf Jahren. 129 Apps enthielten eine Form von Werbung, oft irreführend und manipulativ. Die in der Studie genannten Spiele sind fast alle auch im niederländischen Google Play Store erhältlich. Auch Spiele mit dem Etikett ‚lehrreich‘ enthalten viel Werbung.
Die häufigste Form von Werbung ist der Einsatz einer Spielfigur. Figuren wie Barbie und Strawberry Shortcake preisen Artikel an, für die man bezahlen muss. In manchen Fällen fängt so eine Figur sogar an zu weinen, wenn nichts gekauft wird. Eine andere Form irreführender Werbung sind Pop-up-Videos. Sie verstecken sich oft hinter einem Button mit einem Logo, das etwas anderes als ein Werbevideo vermuten lässt, zum Beispiel einem Button mit einem Teddybären darauf. Deshalb ist es selbst für Erwachsene schwer, zwischen Spiel und Werbung zu unterscheiden. Schon früher zeigte sich, dass solche Videos oft nicht für Kinder geeignet sind.
Unethisch
Laut Justine Pardoen ist es unethisch, Kinder schon in jungen Jahren irreführender Werbung auszusetzen. „Wir sagen alle, dass wir Kinder vor Einflüssen schützen müssen, die an der Aufsicht der Eltern vorbeigehen. Werbemacher wissen ganz genau, dass sie versuchen, diese elterliche Aufsicht zu umgehen. Die Grenze zwischen Verführung und Irreführung ist hauchdünn, und sie stehen viel öfter, als mir lieb ist, auf der falschen Seite.“
Laut Pardoen kann man von Kindern nicht erwarten, Werbung als solche zu erkennen. Studien haben gezeigt, dass Kinder die Signale im Fernsehen ab dem achten oder neunten Lebensjahr erkennen. „Bei Online-Werbung erkennen Kinder das mit zwölf noch immer nicht.“ Pardoen sagt, dass das Erkennen der Signale allein nicht reicht. „Sie müssen lernen, wie sie sich dagegen wehren können. Das erfordert nämlich ein hohes Maß an Selbstreflexion, das man von einem Kind nicht erwarten kann.“
Das erfordert nämlich ein hohes Maß an Selbstreflexion, das man von einem Kind nicht erwarten kann
Justine Pardoen – Expertin für Medienerziehung
Werbekodex
Laut dem niederländischen Werbekodex für Kinder und Jugendliche muss Werbung, die sich an Kinder richtet, deren Auffassungsvermögen und Erwartungen berücksichtigen, vor allem in Bezug auf Spielspaß, Größe und Leistung des Produkts. „Werbung darf nicht irreführend oder unkenntlich sein“, sagt Fiona Vening von der niederländischen Werbekodex-Kommission. „Wenn Eltern Werbung sehen, die gegen diese Regeln verstößt, können sie bei der Kommission eine Beschwerde einreichen.“
Pardoen findet, dass viel deutlicher gemacht werden muss, wie die Apps Geld verdienen. „Das Schlüsselwort ist Transparenz. Wenn eine App kostenlos ist: Wie kommt es, dass sie kostenlos ist, und welche Werbung ist zu sehen? Man kauft besser eine gute App, bei der man weiß, dass Kinder nicht ungefragt angesprochen werden. Aber das ist für viele Eltern dann doch zu viel verlangt.“
Quelle: AD.nl
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