In den ganzen Niederlanden haben die Sommerferien begonnen. Ohne Schule und Sport suchen viele Kinder nach einer Beschäftigung für den Tag – doch zum Glück gibt es ja immer noch… das Handy.
Aber wie bekommst du deine Kinder von diesem Bildschirm los?
Für viele Eltern ist die Nutzung von Smartphone und Tablet in den Ferien ein Dilemma. Das niederländische Königspaar Willem-Alexander und Máxima kündigte an, zwei oder drei bildschirmfreie Wochen für ihre Töchter – und für sich selbst – einzulegen.
Wir haben Fachleute gefragt, ob das eine so gute Idee ist: ein paar Wochen ohne Handy, Tablet oder Fernseher.
Medienpädagoge Freek Zwanenberg findet: ja. „Es ist sehr wichtig, Kindern beizubringen, dass es auch ohne geht. Schließlich wachsen sie in einer Zeit auf, in der es immer Bildschirme gibt.“
Steven Pont schließt sich dem an.
„Kinder haben dann mehr echten Kontakt miteinander und bewegen sich mehr.“ Langeweile lauert zwar, aber laut dem niederländischen Entwicklungspsychologen Pont ist das gerade eine Chance. „Langeweile ist ein Zustand der Unzufriedenheit und führt zu Erfindungsgeist, Kreativität und Eigeninitiative.“
Pont hält auch viel von einer Variante, bei der Kinder in den ganzen Ferien erst ab 17:30 Uhr zum Handy greifen oder den Fernseher einschalten dürfen. Dass man sich als Eltern damit vielleicht keine Freunde macht, spielt für ihn keine Rolle. „Du musst Regeln aufstellen und konsequent erziehen. Niemand sonst wird es tun.“
Auch die Beziehung zwischen dir und dem Gerät kann dann einmal neu justiert werden.
Denise Bontje, Koordinatorin beim niederländischen Wissenszentrum Kind en Media
Aber geht man dann komplett bildschirmfrei, oder wählt man eine Zwischenform, in der man das Handy ganz bewusst nutzt? Zum Beispiel nicht für WhatsApp, aber sehr wohl zum Fotografieren oder um etwas nachzuschlagen. „Ich finde es sehr mutig von der Königin zu sagen: ‚Dann machen wir eben einen kalten Entzug‘“, sagt Bontje. „So gewöhnt man sich am schnellsten daran, aber es ist sehr schwer zu sagen: Es liegt als Kamera in meiner Tasche, aber Nachrichten schaue ich nicht an.“
Zwanenberg plädiert lieber für einen bildschirmfreien Tag oder Halbtag. „Ich gönne allen Kindern ein paar Wochen offline, aber man schafft damit einen so großen Kontrast zur Realität.“ Er glaubt nicht, dass Kinder nach so einer bildschirmfreien Zeit weniger oder bewusster mit Medien umgehen. „Sie wachsen in dieser Welt auf, also müssen Eltern zeigen, dass die Offline-Welt die wichtigste bleibt.“ Zum Beispiel, indem man in die Natur geht oder Spiele spielt und zeigt, dass es schön ist, das gemeinsam zu tun und sich Aufmerksamkeit zu schenken.
Laut Bontje ist so eine bildschirmfreie Zeit auch ideal, um die Beziehung neu zu justieren. „Nicht nur untereinander als Familie, sondern gerade auch zwischen dir und dem Gerät. Ein Moment, um sich bewusst zu fragen: Wofür will ich dieses Gerät eigentlich nutzen?“
So könnte sich laut ihr jeder fragen, ob man Nachrichten wirklich immer sofort beantworten muss oder ob man im Bus nicht auch einfach mal aus dem Fenster schauen kann. Ihr Rat: Nutze deine eigene bildschirmfreie Zeit, um darüber nachzudenken, welches Vorbild du für deine Kinder sein willst.
Auch die Beziehung zwischen deinem Kind und dem Gerät kann dann neu gestartet werden. Oft schauen Kinder ganz automatisch ein Video, während gekocht wird oder im Restaurant. „In den Ferien merken sie vielleicht, dass sie das gar nicht brauchen, um sich zu beschäftigen“, ergänzt Bontje.
Wie geht man es an? Tipps der Fachleute
Kommt miteinander ins Gespräch. Fang damit an, ganz nebenbei zu fragen, was sie gerade machen. Stell Fragen ohne Wertung, zum Beispiel: ‚Warum sind eigentlich alle auf Instagram, was meinst du?‘ Dann fällt es leichter, über die Handynutzung und deine Pläne für eine bildschirmfreie Zeit zu sprechen.
Eltern müssen mitmachen. Wenn du selbst mitmachst, wird es zu einem gemeinsamen Projekt. Dann fällt es den Kindern leichter mitzuziehen.
Bezieh die Kinder mit ein. Ältere Kinder können gut mitdenken, zum Beispiel über Alternativen zum Fotografieren. Was sind ihre Ideen?
Bleib positiv. Sag nicht: „Du darfst den Rest des Tages nicht ans Handy“, sondern biete etwas Schönes ohne Bildschirm an: „Schau jetzt noch schnell, ob du Nachrichten hast, denn gleich machen wir etwas Tolles, und es wäre schön, wenn du dabei bist.“
Quelle: AD.nl
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